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Ätherische Öle, Homöopathie – Esoterik?

Lesedauer 7 Minuten

Last Updated on Dezember 10, 2024 by Achim Görner

Im Zusammenhang mit den Themen Ätherische Öle und Homöopathie wird oft ein Zusammenhang mit Esoterik hergestellt. Zäumen wir das Pferd von hinten auf und klären zuerst, was ist eigentlich Esoterik?

Esoterik

Esoterik – ἐσωτερικός – ist ein Begriff, der von innen her bedeutet, aus der altgriechischen, philosophischen Lehre stammt, die ursprünglich für den inneren Kreis, eben jenem der Philosophen vorbehalten war, weil dem Volk gedanklich unverständlich.

Heute dominieren zwei Gebräuchlichkeiten für den Ausdruck Esoterik, einerseits als religiös verbrämte Praktiken, andererseits als im Okkulten mündende Geheimlehren.

Exoterik hingegen beschreibt nach außen gerichtete, volkstümliche, für jeden leicht verständliche Lehrinhalte.

Homöopathie

Was versteht man unter Homöopathie? Auch dieser Begriff entstammt dem Altgriechischen und setzt sich aus dem Wort ὁμοῖος (gleich) und πάθος (Leid) zusammen.

Samuel Hahnemann, Begründer der Homöopathie, gebürtig aus Meißen, studierte Medizin, promovierte 1779, arbeitete u.a. als Hauslehrer und Leibarzt, wurde 1777 in die Freimaurerloge in Hermannstadt aufgenommen, war als Chemiker und Pharmazeut tätig, übersetzte überwiegend medizinische Fachliteratur aus dem Englischen und Französischen und wurde schließlich durch seine Hahnemannsche Weinprobe, einem Verfahren zu Feststellung von giftigem Bleizucker in Wein, bekannt.
1793 wurde er Mitglied in der Leopoldina (Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina e. V. – Nationale Akademie der Wissenschaften).
1810 schrieb er das Organon, damals noch Organon der rationellen Heilkunde genannt, später als Organon der rationellen Heilkunst verlegt, das fortan als Grundlagenwerk der Homöopathie gilt.

Die Homöopathie hat als Grundlage den Denkansatz Gleiches mit Gleichem zu bekämpfen. Schon damals waren Arzneimittel teuer und selten, weshalb Hahnemann die Mittel zunehmend verdünnte. Er trieb die Verdünnung sogar bis zu 1:50.000 und nannte diese Q-Potenzen (lat. quinquagies millesimus).

Während man in der Mathematik Potenzen als ein Vermehren (23 = 2 x 2 x 2 = 8) versteht, bezieht Hahnemann dieses Vermehren auf ein Potenzieren der Wirksamkeit: je höher die Potenz, desto stärker also die Wirkung.
Neben den erwähnten Q-Potenzen sind die C-Potenzen (lat. centum) mit einem grundlegenden Verdünnungsverhältnis von 1:100 (z.B. steht C5 für 1:500) und D-Potenzen (lat. decem) entsprechend 1:10 (z.B. repräsentiert D30 eine Verdünnung von 1:30).

Ab einer Verdünnung von D25 ist kein Molekül des Ursprungs-Wirkstoffes mehr nachweisbar. Zur leichteren Vorstellung: z.B. entspricht die Verdünnung D26 EINEM Tropfen verteilt auf die DREIFACHE Wassermenge der Erde! D80 enspricht EINEM Molekül der Ursprungssubstanz im gesamten beobachtbaren Universum.

Auf einer Kutschfahrt über das holprige Straßenpflaster glaubte Hahnemann hernach zu beobachten, dass die Wirksamkeit der Verdünnungen gestiegen sei, woraufhin er konstatierte, dass Schütteln die Intensität erhöhe.

So produziert die Fa. DHU (Deutsche Homöopathie-Union DHU-Arzneimittel GmbH & Co. KG) heute noch nach diesem Verfahren, d.h. jede Flasche wird manuell nach Abfüllung „geschüttelt“, indem sie, mit der Hand umschlossen, einer definierten Anzahl von genau 10, bzw. bei Q-Potenzen, 100 Schlägen auf eine Unterlage ausgesetzt wird.

Pflanzenheilkunde

Wenn auch im Titel nicht erwähnt, so wird die Pflanzenheilkunde hin und wieder – fälschlich – gedanklich mit der Homöopathie gleichgesetzt.

Die Pflanzenheilkunde befasst sich mit der Heilkraft von Pflanzen in Bezug auf die Verwendung von Pflanzenteilen oder Extrakten daraus. Die resultierenden Produkte werden als Phytotherapeutika oder Phytopharmaka bezeichnet. Getrocknete Pflanzenteile werden auch Drogen genannt.

Sie folgt den Therapieprinzipien, die auch der wissenschaftlich ausgerichteten Medizin eigen sind und ist, per Definition der Gesellschaft für Phytotherapie e.V., integraler Bestandteil medizinischer Therapiekonzepte.

Ätherische Öle

Der Begriff ätherisch (Subst. Äther, Aether, Ether) hat drei Bedeutungen. Äther, im physikalischen Sinne, bezeichnet ein als hypothetisch angenommenes Medium, über das sich Licht im Vakuum fortbewegt. Äther, im chemischen Sinne, steht für eine chemische Stoffgruppe, die Alkoxyalkane. Äther, im Sinne der griechischen Mythologie, bezeichnet den „oberen Himmel“.
Ätherische Öle bezeichnen leicht flüchtige, organisch-chemische Substanzen pflanzlichen Ursprungs.

Ätherische Öle werden mittels unterschiedlicher Verfahren (z.B. Pressung, Destillation) gewonnen. Sie beinhalten etwa 60 Substanzen, deren Masseverteilung je nach Anbau-, Wachstums-Bedingungen und Erntezeitpunkt, etc. schwanken.

Im Gegensatz zu Speise- oder industrielle Öle, wie z.B. Motor-Öle, hinterlassen ätherische Öle keinen Fettfleck, denn sie sind flüchtig. Auf diese Weise lässt sich grob die Qualität eines ätherischen Öls hinsichtlich Beimengungen von nicht ätherischen Substanzen zwecks Streckung abschätzen.

Es gibt drei Oberbegriffe der Ätherischen Öle: Monoterpene, Sesquiterpene und Aromate.

Monoterpene unterteilen sich in Kohlenwasserstoffe, Alkohole, Aldehyde, Ketone, Ether und Ester.
Aromate gliedern sich in Phenole, Phenylpropanoide und Furanocumarine.

In der Natur dienen diese Substanzen der Pflanze u.a. dazu, Insekten zur Bestäubung anzulocken, Schädlinge abzuwehren oder vor Pilz- oder Bakterienbefall zu schützen.

Neben der allgemein bekannten Aromatisierung über Duftlampen, in denen minderwertige Öle Verwendung finden, werden reine ätherische Öle zu therapeutischen Zwecken eingesetzt. Dies kann topisch (äußerlich als Salbe), aromatisch (z.B: über Diffuser oder rein olfaktorisch über den Riechsinn) oder innerlich (über die Mundschleimhaut, unter Umgehung der Verstoffwechselung über den Magen-Darm-Trakt, bzw. in einer Kapsel) erfolgen.
Der Wirkungseintritt einer olfaktorischen Anwendung findet nach etwa 2 Sekunden, einer topischen nach 2 Minuten statt. Binnen rund 20 Minuten ist ein molekularer Nachweis in jeder Körperzelle, auch im Gehirn, gegeben.

Youtube-Video der Biblisch-Evangelische Gemeinde OWL

Am 11.12.2023 hat die o.g. Gemeinde ein Video mit dem Titel „Gehst Du den schmalen Weg“ veröffentlicht, das seither verschiedene, insbesondere christlich gesinnte Gemüter verunsichert und erhitzt.

Leider wurde die Kommentar-Funktion unter diesem Video deaktiviert. Es stellt sich die Frage, warum? Möchte man keine kontroverse Diskussion? Hat man nicht sauber recherchiert?

Ergänzend zu vorstehendem Vortrag sei daher konkret hierzu noch angemerkt (Zitat dem Audiostream originalgetreu entnommen):

  • 2:56 – 4:11. „Wichtig ist aber zu beachten, eh, bei den ätherischen Ölen über die wir jetzt sprechen, hier geht es nicht um die Therapie mit guten Gerüchen oder Geschmäcken, eh, die förderlich für eine Therapie sein können, sondern um, sonst würde ja auch z.B. ein synthetischer ätherisches Öl ausreichen, sondern, ehm, was vor allem auch von den einzelnen Firmen, die das vermarkten, immer deutlich gemacht wird, ist, dass die in den Pflanzen, bzw. dann in den Ölen der Pflanzen, eh, also nicht die synthetisch hergestellten, sondern aus den Pflanzen extrierten Ölen, eh, enthalten spirituelle Wirkkräfte, d.h. daher muss auch ein ätherisches Öl ganz rein und hochkonzentriert aus der Pflanze extrahiert werden, damit diese besonderen spirituellen Kräfte in großer und reiner Weise eh ja zur Wirkung überhaupt kommen. Und da beruft man sich auf verschiedenste Sache wo das herkommt, also die Kraft der Pflanzen, die haben verschiedenste Einsetzbarkeit, eh, die aus der Mutter Natur kommen, oder auch an verschiedenen, ja, Methoden, ehm, die dort zum Einsatz kommen, beispielsweise dass Aufreiben des Öles an bestimmten Stellen, an der Fußsohle, ja.“

Ein Quelle für die hier aufgestellte Behauptung, dass „Firmen, die das vermarkten“ deutlich machen würden, dass ein ätherisches Öl rein sein müsse, damit „diese besonderen spirituellen Kräfte“ zur Wirkung kämen, bleibt der Urheber leider schuldig. Es wäre ein Leichtes, diese Behauptung zu belegen, so sie auf Tatsachen beruhen würde.

Ein ätherisches Öl muss mit Sorgfalt hergestellt werden, um es auch für innerliche Anwendung (Einnahme, Lebensmittelzulassung) geeignet deklarieren zu dürfen. Nur wenige Firmen produzieren derart hochwertige Öle. Nicht umsonst werden z.B. bei doterra Ölen über 50 Laboruntersuchungen in den Herstellungsprozess integriert, jedes Öl mit einer Chargen-Nummer versehen, die es dem Kunden ermöglicht, exakt die Zusammensetzung aller Bestandteile dank der zur Verfügung gestellten massenspektrografischen Analyse, samt aller Messparameter zu erfahren.
Ebenso erwartet man von Pharmazeutika, dass diese hinsichtlich ihrer Wirk- und Hilfsstoffe „rein“ sind, um unerwünschte Nebenwirkungen durch Verunreinigungen auszuschließen.

Exemplarisch für eine polarisierte Meinungsbildung ist die für den Laien absurd klingende Anwendung eines ätherischen Öls auf der Fußsohle, es sei denn, es handelt sich um Fußpilz ….

Aus medizinischer, pharmakokinetischer Sicht ist die Fußsohle, da sie frei von Talgdrüsen ist, für die topische Aufnahme von ätherischen Ölen prädestiniert, weil die Haut die Wirkstoffe besonders schnell absorbieren kann.
So macht diese Applikation z.B. auch aus Gründen der Sicherheit Sinn, wenn es sich z.B. um Kleinkinder handelt, um zu vermeiden, dass sie das Öl auf Schleimhäute oder gar in die Augen bringen können.
Eine andere Nützlichkeit ergibt sich, wenn man ein gewisses Öl nicht riechen mag.

Die Biblisch-Evangelische Gemeinde OWL wurde mit heutiger Mail (16.04.2024) um Stellungnahme zu den von ihr aufgestellten Behauptungen gebeten. Es wird nach Eingang einer Antwort fortgesetzt berichtet werden.

Es ging am 18.04.2024 eine Rückmeldung ein, leider jedoch ohne Namensnennung des Urhebers. Eine Antwort, u.a. auch mit der Bitte Ross und Reiter zu nennen erfolgte, was allerdings – trotz wiederholter Bitten – nicht erfolgte. Mein gesamter Mail-Verkehr ist unter obigem Link einsehbar.

Die durchgängig – anonym – verfassten Antwort-Mails von BEGOWL wurden daher nicht abgedruckt. Inhaltlich ergeben sich die Textinhalte allerdings aus meinen Antwort-Mails.

Fazit

Wie ein Messer ganz friedlich zum Kartoffelschälen, aber auch zum Töten eingesetzt werden kann, lassen sich alle vorstehenden Mittel für esoterische Zwecke missbrauchen.

So kann z.B. Eukalyptus als Räucherwerk für gar okkulte Sessions missbräuchlich verwendet werden, aber auch zwecks Befreiung der Atemwege therapeutische Anwendung finden.

Ebenso können Öl-Mischungen sich in den spezifischen Wirkungen der einzelnen psychoaktiven Substanzen ergänzen und z.B. durch beruhigende, ausgleichende Eigenschaften helfen, das innere Gleichgewicht, die Balance wieder zu erlangen.
Andererseits können psychoaktiven Substanzen, wie sie z.B. in der Engelstrompete, dem Schlafmohn oder anderen enthalten sind, selbiges durch ihre halluzinogene Wirkung aus dem Gleichgewicht bringen.

Die Wirkung der diversen Substanzen und Öl-Mischungen ist in tausenden medizinischer Studien, auch doppelt verblindeten, belegt. Hier geht es also um rein wissenschaftlich bewiesene Wirkweisen.

Hersteller neigen leider zunehmend dazu, ihre Produkte, dem Trend folgend, mit Produktnamen zu bedenken, gerade Mischungen betreffend, die u.U. missverständlich interpretierbar sind. Ätherische Öle selbst tragen eher den dem botanischen Ursprung entsprechenden Namen.

In christlichen Kreisen ergibt sich durch diese Marketingstrategie u.U. die Frage, ob man diese Öl-Mischungen als gläubiger Christ denn nutzen dürfe. Nehmen wir analog zu obigem Wirkbeispiel die Namensgebung der doterra Öl-Mischung Balance, oder auch Forgive.
Die chemische Zusammensetzung der Öl-Mischungen ist ursächlich für deren Wirkung, nicht der aufgedruckte „Produktname“ oder wie auch immer geartete Werbeaussagen, die Produkten esoterisch angehauchte Eigenschaften andichten, um dem gerade angesagten Trend zu folgen.

Jedem Christenmenschen dürfte klar sein, dass Vergebung nur durch Jesu Opfer am Kreuz möglich wurde und nicht durch die Anwendung einer Ätherische Öl-Mischung namens Forgive. Den Produktnamen aber zum eigenen Tagesmotto zu machen, getreu dem Satz aus dem Vater Unser: „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern„. Dies dürfte sicherlich ein guter Vorsatz für einen jeden Tag sein, erinnert durch den Griff zu dieser Öl-Mischung.

Alles auf der Erde wurde von Gott geschaffen und ist in sich rein. Der Mensch allein ist dafür verantwortlich, wie er diese Gaben zu nutzen versteht, missbräuchlich oder zweckmäßig, analog des Gebrauchs eines Messers.

Mein Großvater litt nach dem Zweiten Weltkrieg nach seiner Internierung an Magenbluten. Als er den Rat erhielt, sich an jemanden zu wenden, der ihm garantiert helfen könne, suchte er selbige Person natürlich sofort auf. Er erhielt ein Fläschchen mit einer Flüssigkeit, von der er morgens und abends einige Tropfen nehmen sollte. Nach etwa einer Woche waren seine Beschwerden verschwunden.
Erst Jahre später erfuhr er, dass derjenige die Substanz „besprochen“ hatte, also okkulter Einfluss Ursache der Besserung war.
Nicht die Flüssigkeit vollbrachte das Heilungsgeschehen, sondern der okkulte Hintergrund.

Hier drängt sich manchem analog möglicherweise der Gedanke auf, dass man den durch „Schütteln potenzierten“ Substanzen u.U. kritisch gegenüber stehen kann …

Es ist gut wachsam zu sein und zu hinterfragen. Nicht umsonst heißt es in der Bibel (1. Johannes 4, 1) „Ihr Lieben, glaubet nicht einem jeglichen Geist, sondern prüfet die Geister, ob sie von Gott sind; denn es sind viel falsche Propheten ausgegangen in die Welt.“

Andererseits sollen wir uns kein Gewissen machen, ob das eine rein oder das andere unrein ist, denn, wie vorstehend erwähnt, alles, was Gott geschaffen hat, ist rein (vgl. Markus 7). Der Mensch ist es, der allein es zu verunreinigen vermag.

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