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Last Updated on Říjen 18, 2023 by Achim Görner
Die Grundlagen der Ätherischen Öle erfordern eine Ausflug in die Welt der Botanik.
Pflanzen haben einen primären Stoffwechsel, die Fotosynthese und den sekundären Stoffwechsel.
Fotosynthese: Mittels Sonnenlicht und Chlorophyll dem grünen Blattfarbstoff, wandelt die Pflanze aufgenommenes Kohlendioxid (CO2) in Kohlenhydrate um und gibt entstehenden Sauerstoff (O2) ab.
Sekundärer Stoffwechsel: hier werden u.a. Bitter- und Gerbstoffe, Alkaloide und Flavonoide, sowie Schleimstoffe und Saponine gebildet, die die Pflanze gegen Befall von Ungeziefer und Fressfeinden, schützen, aber auch Verletzungen heilen, schließlich noch die leicht flüchtigen lipophilen ätherischen Öle.
Vorkommen
Pflanzen speichern diese Wirkstoffe in ihren Blüten, Früchten, deren Schalen, Schoten, Blättern, Nadeln, Wurzeln, Rinde, Harz und Holz, sowie Flechten.
Wirkstoffe
Der chemische Aufbau ätherischer Öle besteht primär aus Kohlenstoff (C) und Wasserstoff (H). Es handelt sich um Kohlenwasserstoffe, hier Terpene, die sich in Mono- und Sesquiterpene gliedern.
Als Oxidationsprodukt (durch Anhängen einer Hydroxylgruppe -HO an die Terpenolkette) der Terpene entstehen Alkohole, z.B. Mono- und Sesquiterpenole, sowie Aldehyde, Cumarine, Ester, Ketone, Oxide und Phenole. Jeder dieser Bestandteile hat eine spezifische Wirkung und damit seine spezielle Anwendung.
Juvenile Pflanzen sind reich an Terpen-Kohlenwasserstoffe, während adulte Pflanzen überwiegend die sauerstoffträchtigen Derivate, wie vor erwähnt, Alkohole, Aldehyde, etc. enthalten.
Chemie
Wer etwas tiefer in die Chemie der Öle einsteigen möchte, findet hier mehr Details.
Aufbewahrung
Generell sollen ätherische Öle in dunklen, fest verschlossenen Glasflaschen aufbewahrt und kühl (10 .. 14 °C) gelagert werden. Auch längere Lagerung bereits geöffneter Öle soll vermieden werden.*
Vereinzelte Öle neigen bei heller und schlecht oder gar unverschlossener Lagerung zur Oxidation*. Diese wiederum kann zur Bildung hautreizender Peroxide führen, wie z.B. beim Terpineol-4 (Terpinen-4-ol) oder auch anderweitig unerwünschte Nebenwirkungen zeitigen.
Bestandteile ätherischer Öle
Eine Pflanze enthält stets einen Mix aus mehreren Inhaltsstoffen, die zudem in ihrer Konzentration je nach Standort, Sonneneinstrahlung und Erntezeitpunkt variieren.
Auch die Zahl der enthaltenen unterschiedlichen Moleküle schwankt und kann an die 100 betragen.
So ergeben sich aus einer Pflanze mehrere Chemotypen. Beim Thymian existieren z.B. drei Chemotypen (Thymol, Thujanol und Linalool).
Die unterschiedlichen Chemotypen stehen für jeweils eine spezifische Wirkungsweise. Die genaue Unterscheidung ist daher bei der Wahl der ätherischen Öle in der Aromatherapie von entscheidender Bedeutung.
Monoterpene und Sesquiterpene
Monoterpene und Sesquiterpene sind die Hauptbestandteile von ätherischen Ölen. Die Ausbeute ätherischer Öle aus Pflanzenteilen ist sehr unterschiedlich. Ein Quadratmeter mit Nadeln der Nadelbäume bedeckter Waldboden ergibt etwa bis zu einem Liter Monoterpene. Für die Gewinnung von einem Liter ätherischem Rosenöl werden 2 .. 4 Tonnen(!) Blütenblätter benötigt. So ist erklärlich, dass Rosenöl zu den teuersten ätherischen Ölen gehört.
Zusätzlich erschwert die auf Grund des geringen Molekulargewichts hohe Flüchtigkeit der Monoterpene die Ernte der entsprechenden Pflanzen. Bereits ein Vorübergehen an den Pflanzen bewirkt das Lösen und Platzen der die Öle enthaltenden Kapseln, wodurch sich sogleich der intensive Melissen-Duft ausbreitet. Deshalb wird Zitronenmelisse bereits auf dem Feld destilliert und abgefüllt.
Monoterpene
Monoterpene besitzen ein Grundgerüst aus 10 C-Atomen (zwei Isopren-Einheiten) und verfügen damit für Kohlenwasserstoffe über eine hohe Bioverfügbarkeit.
Monoterpene wirken antibakteriell, antiseptisch, antiviral, dermatologisch analgetisch. Sie stimulieren das Immunsystem. Auf die Psyche bezogen sind sie als stimmungsaufhellend, konzentrationssteigernd und belebend bekannt.
Zu beachten ist ihre haut- und schleimhautreizende Wirkung. Dies insbesondere in Verbindung mit einem warmen Wannenbad.
Sesquiterpene
Sesquiterpene besitzen ein Grundgerüst aus 15 C-Atomen (drei Isopren-Einheiten), mithin größer als Monoterpene, weniger flüchtig und für die Dampfdestillation nur noch schwer nutzbar. Ihr Vorkommen in ätherischen Ölen ist daher seltener, ihre Wirkung jedoch bedeutend.
Sesquiterpene wirken antiinflammatorisch, antipyretisch, dermatologisch antiallergisch, allgemein das Immunsystem stimulierend. Psychisch ist die antidepressive Wirkung hervorzuheben. In der Onkologie sind antioxidative, antitumorale Wirkungen beschrieben.
Monoterpenole
Monoterpenole haben, wie Monoterpene, antiinfektiöse Eigenschaften. Dermatologisch wirken sie regenerativ. Psychologisch ist ihr Einsatzgebiet identisch zu denen der Monoterpene.
Einzig Menthol ist nicht für die Anwendung bei Kindern geeignet, da es bei ihnen zum Laryngospasmus (Glottis- oder Stimmritzenkrampf) führen kann.
Sesquiterpenole
Sesquiterpenole wirken, neben ihrem stark hautpflegenden Aspekt, anregend auf das Immun-, entstauend auf das venöse und lymphatische System. Psychisch wird von stimmungsaufhellender Wirkung berichtet. Entgegen den Sesquiterpenen verfügen sie nicht über nennenswert antiinfektiöse Eigenschaften.
Unerwünschte Nebenwirkungen sind nicht bekannt.
Monoterpenaldehyde
Monoterpenaldehyde regulieren die Dopamin- und Prostaglandin-Ausschüttung, wirken bereits in kleinen Mengen antiinfektiös, immunstimulierend. Stark verdünnt sind sie antiinflammatorisch und antipyretisch. Ebenso können sie den Blutdruck senken. Psychisch wirkt es entspannend, beruhigend. In höherer Dosierung kehrt sich dies zu Reizbarkeit um.
Dermatologisch sind sie reizend und sollen daher nicht unverdünnt auf die Haut gebracht werden.
Ophthalmologisch ist nicht abschließend geklärt, inwieweit Glaukom-Patienten hier negative Effekte zu erwarten haben. Daher sollte hier keine Anwendung stattfinden.
Monoterpenketone
Die Wirkung der Monoterpenketone ist dosisabhängig und konträr.
In schwacher Dosierung fördern sie die Neubildung von Zellen und den schnellen Wundverschluss durch Neubildung des jungen Bindegewebes. Weiter wirken sie schleimlösend und immunstimulierend, regen die Gallenproduktion und den Gallenfluss an .
Hohe Dosierungen können neurotoxisch und abortiv wirken, sowie epileptische Anfälle auslösen.
Die Anwendung bei Kindern und Schwangeren sollte nur mit großer Vorsicht und von entsprechend erfahrenen Therapeuten erfolgen.
Sesquiterpenketone
Sesquiterpenketone (15 Kohlenstoff-Atome) sind im Gegensatz zu den molekular kleineren (10 Kohlenstoff-Atome) Monoterpenketonen sehr gut verträglich.
Sie fördern gleichfalls die Wundheilung, weisen aber eine stark harmonisierende Eigenschaft hinsichtlich der sekretolytischen und granulationsfördernden Wirkungen auf.
Der Duftstoff Ionon verhindert durch Aktivierung eines olfaktorischen Zellrezeptors das Wachstum von Prostatakrebszellen.
(Quelle: Journal of Biological Chemistry, May 2009, 284(24′);16218-25 Activation of an Olfactory Receptor Inhibits Proliferation of Prostate Cancer Cells)
Di- / Triketone
Di- und Tri-Ketone besitzen keine Toxizität und sind bei Kindern, wie Erwachsenen gleichermaßen gut einsetzbar und dermatologisch sehr verträglich.
Helichrysum italicum (Immortelle) wirkt antikoagulierend und löst so schnell Hämatome auf. Zudem besitzen sie spasmolytische, leicht entzündungshemmende und granulationsfördernde Eigenschaften. Bei Kindern empfiehlt sich die Anwendung bei Atemwegserkrankungen.
Tri-Ketone, wie z.B. Leptospermum scoparium (Manuka) wirken sehr stark antibakteriell und antimykotisch.
Lactone / Phthalide
Lactone haben ein weites, wie intensives Wirkspektrum, können aber stark hautreizend wirken.
Sie besitzen bereits in sehr kleinen Mengen stark sekret- und hustenlösende, sowie antibakterielle und antimykotische Eigenschaften. In ihrer Wirkung sind sie stärker als die zuvor erwähnten Ketone.
Auch antiplasmodiale und zytotoxische, wie antitumorale Wirkungen konnten nachgewiesen werden.
(Quelle: International Journal of Aromatherapy – Vol. 13, Issues 2-3, 2003, Pages 114-120 – Sesquiterpene lactones: a diverse class of compounds found in essential oils possessing antibacterial and antifungal properties)
Phthalide leiten sich vom, von der Phthalsäure abgeleiteten, Lacton-Grundgerüst Isobenzofuran-1-on ab und finden sich in Liebstöckel und Sellerie. Sie unterstützen insbesondere die Leber- und Nierenfunktion hinsichtlich ihrer reinigenden Eigenschaften.
Durch Erhöhung der Aktivität des Engiftungsenzyms Glutathion-S-Transferase konnte die Hemmung von Tumorwachstum nachgewiesen werden.
(Quelle: Journal of Cancer – 2020 Jan 1 – Glutathione S-transferase A1 suppresses tumor progression and indicates better prognosis of human primary hepatocellular carcinoma)
Monoterpenester
Ester sind recht instabile Verbindungen und werden meist beim Destillationsvorgang zerstört. Man gewinnt sie daher, z.B. beim Mandarinen-Öl durch Kaltpressung der Schalen.
Ester haben stark krampf- und angstlösende, wie beruhigende Eigenschaften, aber auch antimykotische (gegen Hautpilze) und fungizide (gegen Pilzbefall in der Landwirtschaft oder Lebensmittelindustrie), sowie kardiologisch regulierende.